Andi Appel

Gründer und Geschäftsführer von resonance promotions

Aufgewachsen im niederösterreichischen Weinviertel, schöne Kindheit/Jugend fernab gängiger Tourismus-Klischees frischluftdepperter Krimiautoren. Musikalisch und ideologisch sozialisiert durch Iron Maiden, Judas Priest, Black Sabbath. Der erste große Held hieß trotzdem Bozo Bakota. Ihm liegt die immerwährende Liebe zum besten Fußballverein der Nation zu Grunde, dem SK Sturm Graz.

Wollte schon immer „was mit Musik oder Medien machen“, tatsächlich geworden ist es eine sehr schöne Kombination. Aber erst nach einer aus unerfindlichen Gründen erfolglosen Teilnahme beim großen ORF-Sportreporter-Talentwettbewerb. Obwohl vermutlich nur wenige andere Bewerber mit einer auf BASF-Kassette aufgenommenen Live-Moderation des 3. Klasse-Derbys Ungerndorf gegen Gnadendorf zu punkten wussten. „Hiller foult Müller, aber wer wird zum Freistoß antreten? Meier, Baier, Bauer? Die Spannung unter den selbstgezählten 37 Zuschauern steigt ins nahezu Unermessliche…“. Gewonnen hat den Wettbewerb dann übrigens, glaub ich, der Rainer Pariasek.
Tja.

Foto: Tom Zonyga atgraphix

Spezifische Ausbildungen - „Ich hab den Kultur-Manager beim Humboldt gemacht, jetzt häng ich noch zwei Semester zum Bachelor Of Music Supervisor an der FH Scheibbs dran“ - gab es noch nicht. Soziale Netzwerke existierten nur in der Realität, das world wide web war noch world wide weg. Folglich ganz einfach ohne Kontakte, Fach- oder sonstige Kenntnisse bei unzähligen Musikfirmen und Medien beworben. Veranstalter, Zeitschriften, Plattenfirmen, Radios, etc. Die Zeit mit 08/15-Bürojobs und Bundesheer überbrückt. Mehr voll als sinn. Und immer wieder bei … (siehe oben) neu beworben, nachgehakt. Bis sich Muff Sopper meiner erbarmte. Rockhaus-Jahreskarte hatte ich als Stammbesucher eh schon vorher, sehr praktisch. 1993 als Mädchen für alles gestartet. Telefondienst („mit der Schnellbahn bis Floridsdorf, dann mit der Straßenbahnlinie 31…“), Ticketvorverkauf, Kopieren, Fotoarchiv betreuen, das ganze große Programm. Die dreckigen Fetzen von Uriah Heep in die Wäscherei gebracht. Für Hans Krankl die Gäste- und für Yngwie M. die Catering-Liste umgeschrieben. Mit einer afrikanischen Reggae-Band, die zum ersten Mal in Europa war, im Zielpunkt Stromstraße einkaufen gegangen. Da haben sie geschaut, die Ureinwohner (die Afrikaner aber auch). Für Yngwie M. nochmal die Catering-Liste umgeschrieben. Veranstaltungsdienste bei den allerersten Ö-Konzerten von Rammstein, Guano Apes oder Immortal. Und beim letzten von Death. Für Yngwie M. zu McDonald gefahren.

Mit den Aufgaben gewachsen, sowieso an allem interessiert, Spaß dran gehabt, Hobby zum Beruf machen und so. Erste Artikel für die Rock Box, kurz später Chefredakteur. Überall im Haus reingeschnuppert, Konzertabwicklungen, Booking, Marketing, Pressearbeit. An letzter hängen geblieben. Neben dem regulären Job noch der bloßen Freude wegen selbst Konzerte und kleine Festivals organisiert. Für Musikmags und Fanzines geschrieben. Sendungen auf freien Radios, Tapes getradet, befreundete Bands unterstützt,… Mein Gott, was man halt so getan hat. Idealismus und Herzblut im Überschwang, besonders für kleinere Acts, den Underground. Mit ein paar anderen Irren den Marterpfahl gemacht, Österreichs bestes Printmedium aller Zeiten (okay, in Sachen Humor kommen die U-Bahn-„Zeitungen“ manchmal gefährlich nah´ ran).

Kontakte geknüpft, auf- und ausgebaut, sinnvoll zu nutzen verstanden. Jürgen Rottensteiner vom edel-Musikvertrieb ließ fragen, ob ich eine Pressekonferenz für Bruce Dickinson organisieren wolle. Selten dämliche Frage. Ein paar Tage später kam er mit der Interview-Abwicklung für Savatage (für Savatage!) daher. Wieder ein paar Tage später saß ich dann eh schon fix in seinem Büro. „Hard´n´Heavy Promoter edel records Austria“. Klang gut. War gut. Halbtags angestellt, den anderen Halbtag nach wie vor im Rockhaus. Der dritte (vielleicht merken Sie jetzt was…) ging drauf für Marterpfahl, Wake Up, Analigor,… und dann ging der Spaß erst richtig los.

Alexander Spritzendorfer von BMGAriola kontaktierte mich wegen einer neuen Schweizer Rockband, die jetzt gaaaanz wichtig wäre, aber keiner bei ihnen im Büro… Na gut, mach ma Gotthard-Promo auch noch. Dann kam der Auftrag meiner alten Freunde Subway To Sally- die erste Reihe beim Konzert in Langenrohr bei Tulln hat getobt. Eine zweite gab es nicht.

Und irgendwie ist sich das alles nicht mehr so richtig ausgegangen.

Es kam, wie es kommen musste. Und wenngleich sich im Laufe dieser langatmigen Geschichte hier offensichtlich gleich mehrere glückliche Schicksalsfügungen aneinanderreihen: The real dream came erst jetzt ganz true. 01.10.2002. resonance promotions. Oida, Oida. Eigene Firma, eigener Chef. Für und mit all den bisherigen Companies und Compagnons weiterarbeiten, gleichzeitig das Aufgabengebiet und den Kundenkreis erweitern. Optimieren. Zu den ersten reso-Projekten zählten Marilyn Manson, In Flames, Therapy?, Lacrimosa, Mastic Scum, The Mission, Psy-9 oder Hammerfall. Das liest sich nicht nur sehr nett, sondern zeigt auch das Spektrum auf. Promotion, Pressearbeit für alles, was laut, schmutzig und bei drei nicht am Baum ist.

Im Auftrag vieler inter- und nationaler Labels, Vertriebe, Managements, Booker, Veranstalter. Die eigenen persönlichen Erfahrungen und Ideen kombiniert mit den Plänen und Vorstellungen einer ebenso interessanten wie breit gefächerten Klientel. Vom Nachwuchs-Helden (viel Talent, viel Engagement, viel Hoffnung. Keinen Schimmer, keine Kontakte, keine Kohle) bis zum Multi-Major mit dem Dollar-Sackerl voller Superstars. Gemeinsam loslegen, Kräfte bündeln, Gas geben, Visionen verwirklichen.

Und der Kreativität – nicht zu verwechseln mit Pseudo-Originalität, weil stets von Effizienz gekrönt -waren keine Grenzen gesetzt. Pungent Stench Album-Präsentation im Foltermuseum, Elfmeterschießen am Wiener-Sportklub-Platz, Pressekonferenz bei Ronald McDonald. Freund Hein Listening Session im Riesenrad inkl. anschließenden Besäuf… Abendessen  im Schweizerhaus, Wettrutschen und Autodrom. Auch an die legendäre No More Encore-Busfahrt erinnert sich noch jeder Teilnehmer gerne. Außer die, die sich nicht mehr erinnern können. Obskure "Kochbücher" ausführen (Ted Nugent: „Kill It & Grill It!“), Popsternchen-Händehalten bei der Licht ins Dunkel-Gala, Ärgern über schwedische Punkrock-Gören, Kopfschütteln über norwegische Black Metaller, Biertest mit teutonischen Thrash-Legenden. Irgendwann –endlich!- der erste eigene Marketing-Plan für Manowar, die erste eigene Goldene für Nightwish. Und, alle Jahre wieder, die besinnliche resonance Advent Andacht im Shelter (Alex, we walked the last mile with you).

Schöne Zeiten, schöne Erlebnisse, schöne Projekte. Die aber irgendwann fad wurden. Die Projekte wurden beliebig, die Erlebnisse Routine, die Zeiten a-changin´. Alltag. Bürokratie. Business. Langeweile. Persönliche Interessens- und Prioritäten-Verschiebungen. Für einen Außenstehenden mag es schwer nachzuvollziehen – und für z.B. den jungen Andi Appel damals völlig unvorstellbar- sein, aber: Beim ersten Mal Alice Cooper sch*** du dich vorher drei Wochen lang an vor Freude und Nervosität. Beim dritten Mal geht dir die Wartezeit zwischen den Interviews genauso auf die Nerven wie ein Match-Besuch in Hütteldorf. Beim fünften Mal schickst du nur mehr einen deiner Mitarbeiter hin, weil es draußen regnet, das linke Knie juckt und du lieber mit den Kindern Pippi Langstrumpf schaust.

Logische Folge: Auszeit. Sommer 2013. Haus, Garten, Planschbecken. Runterkommen. Nicht mehr alle zwei Minuten ins Outlook und Facebook schauen, weil ja ach so viele ach so wichtige Nachrichten warten könnten. Irgendwann zwischen dem zweiten und dritten Kaffee im Freibad draufkommen, dass man das Handy schon seit Tagen nicht mehr gesehen hat. Und es gut so ist.  

Foto: Tom Zonyga atgraphix

Stattdessen in aller Ruhe alte Ideen aufgreifen, neue entwerfen, wieder auf den Geschmack kommen. Den Traum vom eigenen Buch erfüllen. „Keine Gnade! Die Blind Petition Story“. Eine unbezahlbare Erfahrung, nicht nur wegen des schönen Erfolges, den die Band und ich damit feiern durften. Die vielen tollen, zum Teil euphorischen, zum Teil auch kritischen, mitunter sehr persönlichen Presse- und vor allem Leser-Stimmen. Die zahlreichen Präsentationen und Lesungen, die Stimmung, die Leute, soviel(e) Neue(s) kennengelernt und überhaupt, mal wieder ein zartes Reinschnuppern in eine andere Branche, eine andere Welt. Schön.  

Derart ausgeruht und zugleich höchst motiviert ging´s ab 2015 wieder frisch ans Promo-Werk. Viele „alte“ Freunde, Partner und Kunden waren gleich wieder dabei, neue kamen dazu, u.a. ein gewisser Fritz „Fire“ Strba (dem ich schon bei einigen Underground-G´schichten PR-technisch helfen durfte) mit einem gewissen Christopher Seiler und einem gewissen Bernhard Speer

Der Rest ist, wie es so schön heißt, Geschichte - und die schreiben wir gerne noch weiter.

Aber nicht hier und heute, weil: eh schon so viel Text.

Bleibt mir nur mehr, allen ihren Respekt auszusprechen, die das alles wirklich bis hierher gelesen haben.

Sonst nix zu tun??

Im Ernst: Danke für´s Interesse. Man sieht sich.

Rock´n´Roll!

Andi Appel

mailto:andi.appel@resonance.at